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Weidekumpels – Wer haftet für Verletzungen?

Vor- und Nachteile beider Haltungsformen sind hinreichend bekannt.  Wichtigste Boxenargument: die Verletzungsgefahr.

Freilich kommt es bei Pferden, die sich miteinander auseinandersetzen können auch zu Begegnungen, die kostenauslösende Verletzungen nach sich ziehen können.  Fraglich dabei ist, ob dann der Halter des schädigenden Pferdes zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ein Urteil  des OLG Köln vom 10.12.2013 (Az. 18 U 98/13) lässt hierzu aufhorchen:

Eine Klägerin begehrte nach einer Trittverletzung durch eines der anderen von insgesamt 4 Pferden Schadenersatz unter Anrechnung eines 25 % Mithaftungsanteils. Die Klage wurde erstinstanzlich abgewiesen. Die Berufung über nunmehr 100 % des Schadens ebenso.

Bislang neigten die Gerichte dazu eine Verwirklichung der Tiergefahr  anzunehmen und dem verletzen Tier eine Mithaftung  zuzuschreiben (so u.a. OLG Düsseldorf 22 U 110/98, OLG Köln OLG Köln 92, 3 U158/91), es kam also darauf an, ob sich bei dem verletzen Pferd eine eigene Tiergefahr verwirklicht hatte, z.B. durch eine Rangelei. Im Umkehrschluss bedeutete dies auch, dass keine Mithaftung in Frage kam, soweit das Tier  angegriffen wurde, ohne selber in Interaktion mit dem schädigenden Pferd zu treten. (AG Syke 2007; AG Neustadt a. Rbge 2006). Die nicht geschädigten Pferdehalter wurden selbst dann zur Kasse gebeten, wenn nicht nachweisbar war, welches andere Pferd die Verletzung verursachte, soweit ausgeschlossen werden konnte, dass sich das Tier selbst verletzt hat.

Obwohl nunmehr anders entschieden wurde, werden nach meiner Ansicht auch künftig Ansprüche auf Schadenersatz (Behandlungskosten, Wertminderung, usw.) aufgrund „Koppelverletzung“ Aussicht auf Erfolg haben. Bei genauerer Betrachtung der Urteilsbegründung hielt das Gericht die räumliche Gesamtsituation (ca. 250 m² Paddock für 4 Pferde) für zu gefährlich. Eine Haftung scheide aus, wenn das Verhalten des Geschädigten selbstwidersprüchlich erscheint, weil er dasjenige Risiko übernommen hat, das sich im Schaden verwirklich hat (BGH bereits 1982). Sprich: Wer sein Pferd in einer räumlich zu begrenzten Offenstallhaltung unterbringt, geht die Gefahr der Verletzung bewußt ein.
Für den Pferdehalter bedeutet dies zweierlei:

  1. Bei jeder Art von gemeinsamer Haltung ist genauestens auf das Platzangebot UND die Charaktere der anderen Pferde zu achten.
  2. Eine Mithaftung als Pferdhalter ist selbst dann möglich, wenn das eigene Pferd (vermutlich) gar keinen Schaden verursacht hat.

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